Unser Tourguide zeigt euch den Silbersack

„So, meine Damen und Herren – hier stehen wir vor einem echten Stück altem St. Pauli: dem Silbersack.“

Und bevor wir reingehen, schauen wir uns erst einmal an, wo wir eigentlich sind. Die Silbersackstraße liegt direkt hinter der Reeperbahn. Heute sieht der Kiez an vielen Stellen ziemlich geschniegelt aus – aber hier drinnen hat sich ein Stück des alten St. Pauli erhalten.

Der Silbersack existiert seit 1949. Er wurde von Erna und Friedrich Thomsen auf einem Trümmergrundstück eröffnet – also in einer Zeit, in der Hamburg noch schwer von den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs gezeichnet war.

Und jetzt kommt die Figur, ohne die die Geschichte des Silbersacks kaum vorstellbar ist: Erna Thomsen.

Ihr Mann Friedrich starb bereits 1958. Erna führte die Kneipe danach alleine weiter – und wurde über Jahrzehnte zu einer echten Institution auf St. Pauli. Bei ihr saßen Arbeiter, Seeleute, Nachtschwärmer, Kiezgrößen und irgendwann auch jede Menge Prominenz am Tresen. Namen wie Hans Albers, Heinz Rühmann, Curd Jürgens, Freddy Quinn und Hildegard Knef werden mit dem Silbersack in Verbindung gebracht.

Und das ist typisch für den Silbersack: Hier geht es weniger um schickes Nachtleben und mehr um das Gefühl, dass man einfach irgendwo hineingeht und plötzlich mittendrin ist.

Die Musik kommt traditionell aus der Jukebox. Und wer hier „nur mal kurz ein Bier trinken“ möchte, sollte vorsichtig sein – denn wenn die ersten alten Hamburger Lieder laufen, kann aus dem einen Bier schnell ein ganzer Kiezabend werden. Die Hamburger Tourismuszentrale beschreibt den Silbersack entsprechend als einen Ort, an dem das alte St. Pauli noch besonders deutlich spürbar ist.

Ein besonderer Einschnitt kam 2012: Nach Erna Thomsens Tod stand der Silbersack vor dem Aus. Stammgäste, Anwohner und Unterstützer setzten sich für den Erhalt der Kneipe ein. Schließlich konnte sie unter neuer Führung wiedereröffnen. Der heutige Betreiber Dominik Großefeld hatte bereits früher dort gearbeitet und führt die Tradition weiter.

Und genau deshalb würde ich euch jetzt sagen:

Schaut euch den Silbersack nicht wie ein Museum an.

Das ist kein Ort, der hinter Glas gehört. Das ist eine Kneipe, die benutzt werden will.

Also: Tür auf, rein, Platz suchen – und dann beobachten. Vielleicht sitzt neben euch jemand, der seit 40 Jahren auf St. Pauli wohnt. Vielleicht ein Tourist aus Australien. Vielleicht jemand, der eigentlich nur auf ein Bier gekommen ist und drei Stunden später immer noch da sitzt.

Und wenn irgendwann aus der Jukebox „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ kommt, dann wisst ihr: Jetzt seid ihr wirklich auf dem Kiez angekommen.

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